Wer das kommunalpolitisches Geschehen seiner Stadt verfolgen möchte, dem stehen zunehmend häufiger Ratsinformationssysteme zur Verfügung. Ein Ratsinformationssystem ist die zentrale Schnittstelle zwischen Verwaltung und Kommunalpolitik. Die Existenz öffentlich einsehbarer Ratsinformationssysteme ist eine wirklich großartige Errungenschaft der modernen Demokratie, ermöglicht sie schließlich ungleich mehr Menschen, an der gesellschaftlichen Selbstberatung aktiv und passiv teilhaben zu können. Auch die Stadt Worms betreibt unter https://worms.gremien.info ein solches System. In ihm ist die politische Steuerung ihrer vier Körperschaften durch insgesamt 68 Gremien dokumentiert, in denen rund 400 Personen über die Geschicke der Stadt entscheiden. Die Herausforderung besteht darin, die über viele Sitzungen verteilten Vorgänge für Menschen sichtbar und nachvollziehbar zu machen. info.worms.social setzt sich deshalb als bürgerjournalistisches Projekt zum Ziel, die Sichtbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Vorgänge kollaborativ zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
Vom Ratsinformationssystem zum redaktionellen Entwurf
KI unterstützt die Redaktion – sie ersetzt sie nicht
Öffentlichkeit beginnt nicht mit fertigen Meinungen
Vom Ratsinformationssystem zum redaktionellen Entwurf
Organisiert und gepflegt wird das Ratsinformationssystem der Stadt Worms von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sitzungsdienstes der Stadt. Sie sorgen für die Hinterlegung von Tagesordnungen, Antragstexten, Beschlussvorlagen, vorgangsbezogenenen Dokumenten und Protokollen. Die fachlichen Inhalte kommen aus der gesamten Verwaltung und der Politik – letztere in Form von Eingaben und Anträgen. Nicht alles, was in den Gremien zu besprechen ist, kann und darf öffentlich gemacht werden. Das betrifft in erster Linie Auftragsvergaben und Personalangelegenheiten. Entsprechende Informationen stehen auch im Ratsinformationssystem, sind aber nur Gremien und Verwaltungsmitgliedern zugänglich, die über entsprechende Zugangsrechte verfügen.
Einmal täglich fragt ein automatisierter Prozess die öffentlich zugänglichen Informationen des Ratsinformationssystems über die öffentlich zugängliche Schnittstelle ab. Er sucht nach neuen oder geänderten Vorlagen und sammelt die dazugehörigen Informationen: Titel und Aktenzeichen, das Datum der Vorlage, die beteiligten Gremien, die geplanten Beratungstermine und die veröffentlichten Dokumente.
Anschließend wird der Inhalt der Vorlage mit Hilfe eines Sprachmodells zusammengefasst. Aus diesen Informationen entsteht automatisch der Entwurf eines nahezu fertigen Beitrags für info.worms.social: mit Zusammenfassung, Beratungsfolge und Verweis auf die Originalunterlagen.
Die Entscheidung über die Veröffentlichung liegt aus presserechtlicher Verantwortung beim Redaktionsteam. Der automatisierte Prozess legt ausschließlich einen Entwurf im Redaktionsmanagementsystem von info.worms.social an. Erst nachdem eine Nutzer*in mit redaktionellen Rechten ihn geprüft hat, kann daraus ein öffentlich sichtbarer Beitrag werden.
KI unterstützt die Redaktion – sie ersetzt sie nicht
Sprachmodelle können große Mengen von Dokumenten schnell erschließen und dabei helfen, den Gegenstand einer Vorlage verständlich zusammenzufassen. Sie können sich aber irren, Zusammenhänge übersehen, Aussagen falsch gewichten, unvollkommen verschlagworten und für Leser irrelevante Überschriften erzeugen . Deshalb kennzeichnen wir den Einsatz von KI und behandeln ihre Ergebnisse als redaktionelles Arbeitsmaterial. Auch die Verantwortung für eine Veröffentlichung kann nicht an einen Algorithmus delegiert werden.
Das gegenwärtige System bedient sich des Automatisierungswerkzeugs namens n8n, um Daten abzufragen, Änderungen zu erkennen, Dokumente zur Zusammenfassung an ein Sprachmodell zu übergeben und die daraus erzeugten Beiträge in einem Redaktionsmanagement als Entwürfe anzulegen. Wir nennen diesen Teil des Systems auch den „Ratsdatenernter“. Aktuell kommt als Redaktionsmanagementsystem WordPress zum Einsatz. An konkreter Software wie n8n oder WordPress hängt die Idee von worms.social jedoch nicht. Der Ratsdatenernter lässt sich grundsätzlich auch als eigenständiges Programm auf anderer Infrastruktur betreiben.
Öffentlichkeit beginnt nicht mit fertigen Meinungen
(Kommunal-)politik besteht nicht aus Positionen, mit denen Parteien und Politiker am Ende in Wahlen und Abstimmungen gehen. Davor liegen Probleme und Lösungsideen sowie Verwaltungsverfahren, offene Fragen und unterschiedliche Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen. worms.social soll einen Raum schaffen, in dem solche Vorgänge öffentlich nachvollzogen werden können, ohne sie von Anfang an auf eine bestimmte politische Lösung oder bestimmte Interessen zu verengen.
Automatisierung hilft dabei, die Schwelle zur Mitwirkung an diesen Vorgängen zu senken. Wenn öffentliche Unterlagen bereits erschlossen und verständlich aufbereitet vorliegen, muss nicht jede interessierte Person zunächst stundenlang Ratsinformationssysteme durchsuchen, bevor sie durch Kommentierung, als Wissens- und Kompetenzträger, als Autorin oder Redakteurin etwas beitragen kann. Die Idee von info.worms.social ist, dass Menschen sich auf das konzentrieren können sollen, wofür politische Öffentlichkeit gebraucht wird: nachzufragen, zu ergänzen, zu widersprechen, Zusammenhänge herzustellen und gemeinsam herauszufinden, was eigentlich der Fall ist.
Um dies zu erreichen, eröffnet info.worms.social zwei Möglichkeiten: Erstens die Möglichkeit, sich an der öffentlichen Diskussion des verfügbar werdenden Materials im Fediverse zu beteiligen, d.h. ungestört von algorithmisch kuratierten Unterhaltungs-Apps, die das öffentlich geführte Gespräch emotional verzerren und unmöglich machen. Zweitens unmittelbar als Teil des im Aufbau befindlichen Redaktionsteams.

Ich entwickle unter https://worms.social ein soziales Netzwerk für Bewohner*innen und Freunde der Stadt Worms. Ich bin selbst Einwohner der Stadt.